Tour du Cameroun UCI 2.2

Als Teil der UCI Africa Tour ist die Tour du Cameroun eines der wichtigsten Etappenrennen Afrikas. Die Erwartungen an die einheimischen Teams sind sehr hoch und die Fahrer entsprechend nervös. Tischgebete und Rosenkränze an den Velos sind bei den Kamerunern allgegenwärtig. 

Wir landen in Yaunde, Hauptstadt Kameruns und Startort der ersten Etappe. Der erste Eindruck ist krass. Am internationalen Flughafen gibts gefühlte 3 Flugzeugandockstationen und zwei Gepäckausgaben, wovon nur eine nicht funktionierte. Es ist sehr warm mit 25 Grad nachts um 11 Uhr.
Auf dem Weg ins Hotel überhäuften sich die Eindrücke. Verkehrsregeln gibts nicht, Tempolimiten auch nicht. Jeder fährt was sein Fahrzeug hergibt. Um möglichst auf dem Gas zu bleiben wird endlos gehupt. Überall gibts Blechhütten, Musik und fröhliche Leute. Jeder hat etwas zu tun und jeder hat seinen eigenen Strassenladen. Da werden Schuhe verkauft, Autos und Busse repariert, Haare geschnitten und Esswaren angeboten. Man findet für fast jedes Problem eine Lösung. Abfall liegt überall, keine Katalysatoren, keine Ahnung von Umweltverschmutzung. Nichtsdestotrotz herrscht eine grosse Motivation anzupacken und etwas zu vollbringen. Für uns Schweizer ist das jedoch ein komplett zurückgebliebenes Verhalten und undenkbar in der heutigen Zeit.
Es war eine sehr spontane Gelegenheit mich dem Team von Jean-Jaques Loup anschliessen zu dürfen und die Chance bekam, meine erste Strassenrundfahrt zu bestreiten. Ich hatte schon im Sinn ein Trainingslager im Süden zu machen, jedoch eher in Spanien und ohne Rennintensität.
Der Reiz und die Lust etwas neues zu erleben waren also verantwortlich für das, was ich jetzt mache.
Die Tour startete hektisch und war von vielen Stürzen geprägt. Man merkte, jeder wollte bereits von Anfang an sein bestes geben.
Meine Prioritäten waren, aufmerksam zu bleiben und heil sowie ohne Pannen im Ziel anzukommen. Ambitionen hatte ich mir keine gemacht, es geht in erster Linie um die Erfahrung. Die ersten Etappen sind hügelig, zahlreiche Attacken machen das Rennen schnell.
Auf den ersten vier Etappen war ich mehr oder weniger im Feld präsent und hatte als 14. der dritten Etappe bereits ein kleines Hoch zu verbuchen.
Dann auf der Königsetappe, der fünften Etappe, fühlte ich mich sehr gut. Das Tempo von den Bergflöhen aus Rwanda konnte ich bergaufwärts gerade so halten. So erreichte ich den schier endlosen Berg als fünfter und konnte mich in der anschliessenden Abfahrt in einer 20 köpfige Spitzengruppe etablieren. Auf den letzten 40km war das Tempo sehr hoch. Die Gruppe blieb zusammen, sodass der Etappensieg im Sprint entschieden werden musste. Durch die verwinkelten Strassen konnte ich mich super positionieren und hatte am Ende genug frische Beine für den Schlusssprint. Im Ziel war ich als dritter und konnte nicht richtig begreifen was da gerade passiert war.
Das sind meine ersten Profi UCI Punkte!
Und nebenbei konnte ich mich nach  inzwischen sechs von acht Etappen im Gesamtklassement mit 5:51 Minuten Rückstand auf den zwölften verbessern.
Die zweitletzte Etappe führte von Duala nach Kribi über 159 km. Wie bisher bei jeder Etappe, wurde in der ersten Rennstunde attackiert was ging, dabei konnten sich immer wieder einzelne Fahrer vom Feld lösen, jedoch nicht entscheidend.
Nach 30 gefahrenen Kilometer versuchte ich mit 7 weiteren Ausreissern mein Glück. Die Lücke zum Feld war plötzlich da. Die Gruppe harmonierte gut und der Vorsprung wuchs schnell auf drei Minuten an.
Klar es sind noch 130 km bis ins Ziel, aber warum sollte es nicht klappen?
Es war sehr hart, die Sonne drückte die Hitze auf uns nieder. Bei 60 km to go war unser Vorsprung sogar bei 4:30 min. Das kann reichen! Die Müdigkeit einzelner Fahrer machte sich breit und zwang andere Fahrer zu mehr Führungsarbeit.
Ab jetzt begann der Vorsprung kontinuierlich zu schrumpfen, wir wehrten uns bis ins Ziel tapfer und konnten komfortable 2:17 min auf den Leader und das Feld sichern. Im Ziel waren auch meine Kräfte am Ende und ich musste dem Sprint zuschauen. Als achter der Etappe und neu elfter im Gesamtklassement mit +3:55 min bin ich bei den Besten mit dabei.
Im Zielort Kribi genossen wir einen entspannten Ruhetag. Eine lockere Ausfahrt und baden im Meer waren eine willkommene Abwechslung.
Die Schlussetappe nach Yaunde raubte mit drei Bergpreisen noch einmal alle Kräfte. Das Feld blieb mehrheitlich zusammen und es musste ein hektisches Finale entscheiden. Jeder wollte noch einmal der beste sein. Fünf Kilometer vor dem Ziel positionierte ich mich im bereits schon im tobenden Gerangel und hohem Tempo in den vorderen Rängen des Feldes. Im Sprint gelang mir zum Abschluss ein toller fünfter Etappenrang.
Als elfter im Schlussklassement und einigen hervorragenden Etappen bei meiner ersten UCI 2.2 Strassenrundfahrt, bin ich sehr zufrieden und nehme viele gute Erinnerungen und Erlebnisse mit nach Hause.
Bis bald
Lukas

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Veröffentlicht am 23. März 2015, in Allgemein. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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